À la Recherche, 2015

Les Bains, Paris

Les Bains, das in den 1980er und 90er Jahren als legendärer Nachtclub Treffpunkt der internationalen Partyszene war, ist in ein Hotel, Restaurant und Club umgebaut worden.

Für einen außergewöhnlichen Raum im neuen Les Bains hat ART+COM Studios eine ortsbezogene kinetische Installation geschaffen. Die an eine explodierte Discokugel erinnernde Skulptur reflektiert das auf sie gerichtete Licht so, dass an den Wänden verstreut Lichtpunkte und aus diesen zusammengesetzt immer wieder die Worte “RE TROUVE LE TEMPS PERDU” erscheinen. Diese Worte können – je nachdem, wo sie zu lesen begonnen werden – sowohl als „Die wiedergefundene verlorene Zeit (LE TEMPS PERDU RETROUVE) als auch „Suche die verloren Zeit“ (RETROUVE LE TEMPS PERDU) verstanden werden. Die Installation referiert damit auf die legendäre Vergangenheit des Ortes. Der Titel der Installation, À la recherche, spannt den Bogen zu Marcel Prousts Hauptwerk „À la recherche du temps perdu“, dessen wiederkehrendes Motiv die unwillkürliche Erinnerung, ausgelöst durch alltägliche Handlungen, Gegenstände oder Empfindungen, ist.

Die Installation entstand für einen Raum, der der Badeanstalt im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Wassertank diente. Mit ca. 20 qm besitzt dieser nur eine kleine Grundfläche, ist aber ca. 15 Meter hoch. Ab einer Höhe von ca. 2 Metern sind die Wände unrenoviert belassen worden – dort dreht sich nun die Skulptur langsam über den Köpfen der Besucher und wirft ihre Reflexionen an die rauen Wände.

Bei der Produktion von À la recherche gingen manuelle Arbeit und komputatives Design Hand in Hand. Die Verteilung und Ausrichtung der Spiegelfacetten wurde komputativ gestaltet. Die Skulptur besteht aus 33 Bruchstücken einer Kugel, auf denen insgesamt knapp 2800 kleine quadratische Spiegel angebracht sind. Die Spiegelfacetten sitzen einzeln auf speziellen Halterungen; die Spiegel wurden in Handarbeit aufgeklebt. Diejenigen Spiegelelemente, die die Worte reflektieren, wurden auf bewegliche Gelenke geklebt und einzeln ausgerichtet.

Die explodierte Discokugel, die langsame Bewegung der Reflexionen im Raum und der wiederkehrende Sinnspruch machen À la recherche zu einem kontemplativen Kunstwerk, das den wilden Jahren des Les Bains huldigt.